12. August 2020

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Artikel des Darmstädter Echo....

Quelle: www.echo-online.de



26. April 2010  |  aus

Euphonium mit Zirkularatmung

Konzert: Sinfonische Dimensionen der Kleestädter Feuerwehrmusikanten in Umstadts Stadthalle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jan Noering hat auch bei sinfonischer Musik der Kleestädter Feuerwehrmusikanten dicke Backen.
Foto: Klaus Holdefehr
 
GROSS-UMSTADT.
Eine roter Wuschel treibt sein Unwesen auf der Bühne. Pumuckel gibt da sein Gastspiel in der Umstädter Halle, beim Jahreskonzert der Kleestädter Feuerwehrmusikanten. Der Rotschopf ist Teil der Zugabe, die sich das Publikum vom Jugendorchester erklatscht hat. Das heißt ,,Joke" und wird vom Dirigenten Jaroslav Micka zu Höchstleistungen getrieben.Micka schwingt seit einigen Jahren den Taktstock vor dem großen Orchester. Damit hat sich das ohnehin schon renommierte Ensemble auf den Weg in neue Höhen musikalischer Qualität gemacht. Diesen Dirigenten allerdings ,,charismatisch" zu nennen, wäre vermessen, denn er kommt zwar aus dem Slawischen, agiert aber ,,very british". Unvergessen Karl-Heinz Stiers Versuch, diesen Ausnahme-Musiker in ein Interview zu verwickeln: Zwei Minuten nicht mehr als ,,Ja" und ,,Nein" haben selbst diesen in vielen Jahren beim Hessischen Rundfunk gestählten Moderator schier zur Verzweiflung getrieben.Stier moderiert auch diesmal wieder am Samstagabend das Jahreskonzert in der mit gut 500 Besuchern annähernd ausverkauften Stadthalle. Diese Konzerte sind Resultat des kollektiven Wunschs, auch mal was anderes zu spielen als Märsche und Polkas, und sind in Umstadt und Umgebung Kult.Der kühle Micka macht immerhin die Späße mit, die diese Umstädter Sinfoniker in ihr musikalisch seriöses Tun einstreuen, tritt mit Polizeimütze zum ,,Police Academy March" vors Orchester und verzieht keine Miene, als die gesamte Klarinettenabteilung bei Fabian Köhlers Euphonium-Triller-Solo die Bühne verlässt. Der Triller dauert lang, eine Minute, zwei, ohne Unterbrechung, bis die Klarinettenabteilung zurückkehrt. Von Köhler und Stier erfahren 500 begeisterte Besucher etwas über Zirkularatmung, also die Fähigkeit, zu gleicher Zeit zu blasen und zu atmen. ,,Das zu lernen hat mich ein dreiviertel Jahr meines Lebens gekostet", verrät der junge Köhler und muss gleich noch eine Zugabe trillern.Wieder so ein Gimmick in diesem an Überraschungen reichen sinfonischen Konzert, dem eigentlich nur noch ein paar Streicher zur vollen Abdeckung des instrumentalen Spektrums fehlen. Doch halt: Harold Nardelli streicht gelegentlich auch den Kontrabass. Viel Schlagwerk ist mit dabei, auch ein Vibrafon, gelegentlich ergänzt Björn Bock an den Keyboards den Klangteppich, und bei den Auszügen aus dem Abba-geprägten Musical ,,Chess" wird eine alte Schreibmaschine als Perkussionsinstrument eingesetzt. Kerstin Olejak, singende Arzthelferin aus Elsenfeld, hat wieder einen Einsatz. ,,Ich hab geträumt vor langer Zeit", singt sie, ein Lied aus dem Musical ,,Les Miserables". Fünfzig Musiker nehmen die fünfhundert Besucher mit auf eine musikalische Reise, die mit einer Toccata von Bach beginnt und mit einer souligen Bossa Nova von Quincy Jones noch nicht endet. Als Zugabe gab's dann doch noch einen Marsch.
 
Quelle: www.echo-online.de


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