05. August 2020

Aktuelles

„Ein Könner ist ein Könner“



Ehrung für Jaroslav Micka bei Konzert der Kleestädter Feuerwehrmusikanten

(dor) Standing Ovations gab es am Ende des Frühjahrskonzertes für eine großartige Leistung der Kleestädter Feuerwehrmusikanten. Das begeisterte Publikum ließ das Orchester auch nach zwei Zugaben noch nicht gehen. Sehr ausgewogen wechselte im gut zweistündigen Programm sinfonische Blasmusik mit Jazz und Swing ab, klassische Stücke trafen auf andere unterhaltsame, aus Rock und Pop bekannte und beliebte Melodien.

Den fröhlichen Auftakt vor nahezu ausverkauftem Haus in der Stadthalle machte mit einem bunten Arrangement verschiedener Werke das Nachwuchsorchester der Kleestädter Feuerwehrmusikanten JOKE unter der Leitung von Jaroslav Micka. Das Jugendorchester hatte sich ebenso wie die „Großen“ in zahlreichen Übungsstunden und auch Workshops intensiv auf das Konzert vorbereitet. Beste Werbung für Musik im Verein machten auf diese Art die rund 30 jungen Leute, gut aufgestellt für ein Jugendorchester.

Selbst moderiert von einzelnen Nachwuchsmusikern wurde „The Muppet Show Theme“ von Sam Pottle und Jim Henson eingeführt, „Frisch von grünen Teppich“ tauchte als Gag Kermit der Frosch in den Orchesterreihen auf, bevor das Publikum mit „Hobbits Dance and Hymn“ als fünftem Teil der Herr der Ringe Saga in die Welt der Elfen und anderer fabelhafter Wesen entführt wurde. Wirkungsvoll wurde der fröhliche Tanz der Hobbits in Szene gesetzt, der das unbeschwerte Leben im Auenland wiederspiegelt, und die strahlende Hymne ertönte, die für den Mut und die Entschlossenheit des kleinen Volkes steht. Da wurden mit viel Perkussion leichte Töne und Geräusche aller Art, Pferdegetrappel und fröhliches Klingeln hörbar gemacht, und die Zuschauer hatten ihren Spaß. Beim folgenden „Nessaja“ von Peter Maffay aus dem Musical Tabaluga wurden sie dann mitgenommen auf eine „Reise zur Vernunft“. Einzelne Instrumente griffen hier das Thema auf, in schnellem Tempo gelangen die Variationen, wirklich jeder spielte hier deutlich mit, einen tollen Schlusspunkt setzte das Schlagzeug. Nochmals volle Konzentration erforderte die Zugabe mit „Ghost Busters“ aus dem gleichnamigen Film von 1982. Der Taktstock in der Hand von „Chef-Geisterjäger Micka“ trieb den Musikanten-Nachwuchs zu Höchstleistungen an, ob an Xylofon oder Drums, die dabei eine besondere Rolle spielten, oder auch mit stimmlichen Einwürfen. Sehr temporeich und stark gelang diese stürmisch gefeierte Zugabe, bevor das Große Orchester und damit der Moderator des Abends die Stadthallenbühne betrat.

Seit 1979 werden diese Jahreskonzerte der Kleestädter Feuerwehrmusikanten durchgeführt, zum dritten Mal von Moderator Jürgen K. Groh begleitet, der selbst Musiker ist sowie erfahrener und leidenschaftlicher Moderator. Humorvoll auf erfrischende Art, unterhaltsam wie gleichermaßen kompetent, führte er die Gäste durchs Programm. Gut 50 Mitglieder waren für dessen Gelingen seit einem halben Jahr am Proben. Mit mindestens zwei in der Oberstufe angesiedelten Stücken hatte man sich auch recht Schwieriges und Anspruchsvolles ausgesucht.


Sehr erfolgreich verlief das traditionelle Jahreskonzert der Kleestädter Feuerwehrmusikanten. Vor begeisterten 500 Gästen in der Stadthalle moderierte Jürgen K. Groh ein ebenso abwechslungsreiches wie sehr anspruchsvolles Programm, das das Orchester unter der Leitung von Jaroslav Micka einstudiert hatte. (Bild und Text: Dorschel)

Zu den Melodien von „Queen´s Park Melody“ hat sich der 1959 geborene Jacob de Haan bei einem Besuch in London inspirieren lassen, als er mitten im Treiben der Großstadt im „Queen´s Park" Ruhe und Entspannung fand. Diese Stimmung, die sich am besten mit dem englischen Wort „relaxed“ bezeichnen lässt, so beschrieb es Moderator Groh, hat de Haan in unnachahmlicher Art und Weise musikalisch eingefangen, von geschäftigem Treiben und der Atmosphäre im Frühling inspiriert, fröhlich mit leichten barockähnlichen Einflüssen.

Nach einem beeindruckenden Geburtstagsständchen, von Jaroslav Micka swingend neu arrangiert für Orchestermitglied Anja Kirchhöfer, die an diesem Abend 18 Jahre alt wurde, begab man sich mitten hinein in eine mal düstere, mal neues Leben spendende Vulkanlandschaft. Mit dem mehr als zehn Minuten dauernden „Terra Vulcania“ ist dem Österreicher Otto M. Schwarz 2010 ein grandioses Werk gelungen. Moderator Groh wusste zu dem darin beschriebenen Steirischen Vulkanland gleich viele Hintergrundinformationen zu liefern. Musikalisch imposant wurden vor dem inneren Auge förmlich Bilder gemalt, vom mystischen Beginn, der Entstehung aus dem „Nichts“, über die Geschichte und Gegenwart des Steirischen Vulkanlandes mit einem Knall, Eruptionen wie flammendem Getöse, hin zum Werden eines neuen Landes; hier der Schwerpunkt auf Fagott und Euphonium, dort in diffizilem Takt Klarinette mit kleiner Trommel, marschähnlich in den Wirren des Krieges. Spätestens jetzt schienen die rund 500 Gäste der Magie dieser monumentalen Musik zu erliegen, die in verzauberte Welten und zu feuerspeienden Bergen führte. Welche Kraft und Gewalt hinter solchem Naturschauspiel stecken kann, vermittelte dieses große, in den Bann ziehende Werk sehr gut.

Ein weiteres Meisterstück fand sich im äußerst ungewöhnlichen Zusammenspiel zwischen Streichern und Blasorchester: Das „Konzert Nr. 3 B-Dur für Klarinette und Orchester“ von Carl Philipp Stamitz hatte Jaroslav Micka für seine Musiker umarrangiert, dafür eigens ein Streicher-Sextett angeheuert und in der erst 15jährigen Ayleen Stade an der Klarinette eine wunderbare Solistin gefunden, die verdient riesigen Beifall erntete. An dieser Stelle begrüßte Moderator Groh neben Ayleen, die auch Waldhorn im Jugendorchester spielt, die Neuen im Orchester: David Merkel, Felix Graf, Marius Kneiser (Klarinette) und Lars Staudt (Altsaxofon). Die erstmalige, intensiv geprobte Zusammenarbeit mit einem Streicher-Ensemble, bei den Kleestädter Feuerwehrmusikanten als absolute Besonderheit zu hören, scheint ganz offenbar allen Beteiligten viel Freude bereitet zu haben.


Ein gelungenes Experiment beim Frühjahrskonzert der Kleestädter Feuerwehrmusikanten war das ungewöhnliche Zusammenspiel zwischen Streichern und Blasorchester. Für das von Dirigent Jaroslav Micka geschriebene Arrangement war eigens ein Streicher-Sextett engagiert worden, die 15jährige Ayleen Stade glänzte als Solistin an der Klarinette. (Bild und Text: Dorschel)
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Nachdem in der Pause die Dieburger Musikanten für das leibliche Wohl mit Schnittchen und ausgewählten Umstädter Weinen gesorgt hatten und sich die sichtlich angetanen Gäste über den musikalischen Hochgenuss ausgetauscht hatten, wurde es in der zweiten Hälfte moderner: Mit dem gleichnamigen Titelsong zum 23. James Bond Film „Skyfall“ trat die von früheren Auftritten in Umstadt bekannte und beliebte Sängerin Kerstin Olejak auf sehr angenehme Art in Erscheinung, trotz ihrer hervorragenden, stimmgewaltigen Präsenz an manchen Stellen leider fast ein wenig übertönt vom großen Orchester, hier am Keyboard Agnetha Pfuhl, die auch Posaune spielte.

Etwas von Salsa-Musik, ruhig und auch ein bisschen traurig, war im folgenden Stück zu hören. „Cabo Verde, Inseln im Wind“ hat der 1973 geborene Markus Götz nicht nur selbst besucht, sondern den Kapverdischen Inseln an der westlichsten Spitze Afrikas auch eine musikalische Würdigung entgegen gebracht. In vier zusammenhängenden Teilen schildert der Komponist Impressionen dieser Inselgruppe, die sowohl von afrikanischen als auch karibischen Einflüssen geprägt ist, wie die Inseln aus Wellen und Wind geboren werden. Nach zarten Flötenklängen im „Einklang mit der Natur“ zieht mit fast brachialer Gewalt ein Sturm auf, der den Kampf verschiedener Kulturen symbolisiert, in dessen dramatischem Verlauf die Einwanderer mit Fanfaren und Waffen die Harmonie zerstören. Ein langsamer, balladenartiger Salsa schildert den Gesang der alten Einheimischen von Sklaverei und Armut, Auswanderung und Exil. Das Altsaxofon spielte hierbei hervorragend Heidi Micka. Als feierliches Finale erklingt im vierten Teil „Das Fest des Lebens“ voller Rhythmus, Tanz und Lebensfreude.

Seit drei Jahrzehnten ziehen Bon Jovi als Botschafter des Rock’n Roll durch die Welt und begeistern rund um den Erdball ihre Fans. Dies wusste das Kleestädter Orchester auch beim Konzert in der Stadthalle gut zu nutzen und gab in einer gelungenen Zusammenstellung einige Hits der vierköpfigen Band aus New Jersey zum Besten. Nach diesem erstklassigen Rock-Mix folgte eine Ehrung: Für zehnjährige Dirigententätigkeit bei den Kleestädter Feuerwehrmusikanten nämlich wurde Jaroslav Micka vom Bezirkspräsidenten Süd des Hessischen Musikverbandes Raimund Keller ausgezeichnet. „Ein Könner ist ein Könner“, sagte dieser über Micka und sprach wohl den meisten Gästen aus dem Herzen: „Es war sehr, sehr gut, was wir heute gehört haben.“

Ausrucksstark präsentierte dann die charmante Kerstin Olejak den Song „Hard Rock Cafe“, der amerikanischen Musikerin, Songschreiberin, Sängerin und Pianistin Carol King. Endgültig zum Höhepunkt gelangte aber die Stimmung, als der bekannte „Florentiner Marsch“, eines der schönsten Werke des 1872 geborenen tschechischen Komponisten Julius Fucik, als Zugabe die 500 im Saal restlos begeisterte und sofort laut mit klatschen ließ. Ein weiterer anspruchsvoller Konzertmarsch erklang mit „Kameraden für immer“. So toll spielten das die Kleestädter Feuerwehrmusikanten und so mitreißend, dass sich das Publikum erst nach einer erneuten Zugabe des Hard Rock Cafe mit Kerstin Olejak zufrieden gab. „Ein Könner ist ein Könner“ - dieser anerkennende Ausspruch über den verdienten Dirigenten der Kleestädter traf bei diesem erfolgreichen Konzert in höchstem Maße zu.


Schwungvoll nahm die charmante Sängerin Kerstin Olejak ihre Zuhörer mit ins „Hard Rock Cafe“. Stimmgewaltig begleitete sie mit ihren Gesangseinlagen das gut besuchte Konzert der Kleestädter Feuerwehrmusikanten in der Stadthalle. (Bild und Text: Dorschel)

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